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Jean-Marie Pfaff exklusiv: „Belgien kann für Überraschung sorgen“

Aktualisiert Nov 29

Philipp Stottan

Von Philipp Stottan

Sportwetten-Experte

Jean-Marie PfaffBild: Jean-Marie Pfaff traut Belgien und Deutschland einiges zu. (© Lennart Preiss / dpa / picturedesk.com)

 

Jean-Marie Pfaff im Interview über die WM 2022, Belgien & Manuel Neuer

 

Jean-Marie Pfaff ist seit ein paar Jahren mit seiner Familie in der Nähe von Antwerpen gezogen, wo er sich ein großes neues Zuhause bauen lassen hat.

Im vergangenen Jahr erschien zudem seine Autobiographie „Mein Leben – Vom Straßenfußballer zum Welttorhüter“. Darin kommen natürlich auch seine Zeit beim FC Bayern München (215 Spiele), sowie seine zwei WM-Teilnahmen mit Belgien vor.

Im Interview mit den Wettfreunden spricht das frühere Idol der Münchner Südkurve über die WM 2022, wie er die Chancen seines Landes Belgien einschätzt, warum Manuel Neuer auf dem höchsten internationalen Niveau nach wie vor überzeugt und wie sein Traum-Finale am 18. Dezember aussehen würde.

 

WM 2022: Wetten & Quoten

 
Herr Pfaff, welchem aktuellen Keeper in Europa schauen Sie gerne auf die Finger?

Jean-Marie Pfaff: „Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Ich würde immer Manuel Neuer und Thibaut Courtois nennen, die Jahr für Jahr ihre Leistung bringen und das Gesamtniveau auf ein noch höheres Level gebracht haben. Ich finde, dass sich Gianluigi Donnarumma bei Paris Saint Germain gut entwickelt hat.

Auch wenn Italien nicht bei der WM ist, wird er einer der Besten in den kommenden Jahren. Mir gefällt auch Yann Sommer, der bei der Gladbacher Borussia seit vielen Jahren grandiose Leistungen zeigt. Schließlich hat mich auch zuletzt der Franzose Mike Maignan beim AC Mailand richtig gut gefallen.“

 
Hat sich die Spielweise bei den Torhütern in den vergangenen Jahren massiv verändert?

„Ich sage immer: Als Torwart musst du das Spiel gewinnen. Es gibt aber heutzutage viele junge Torleute, die mir häufig zu abhängig von der Mannschaft sind. Sie müssen das Spiel selbst gewinnen, Initiativen ergreifen und nicht einfach abwarten, das sie beschäftigt werden.

Der Keeper im Jahr 2022 ist der elfte Feldspieler. Bei Bayern München habe ich das auch erlebt. Wenn man ein Spiel Auf Schalke oder in Kaiserslautern hat, ist diese besondere Stimmung auf den Rängen einfach toll. Da muss man einfach präsent sein und eine positive Körpersprache zeigen.

Und als Torwart geht es darum, sich mental vorzubereiten: Man wird nicht arg viel Arbeit bekommen, aber im entscheidenden Moment muss man da sein.“

 
Glauben Sie, dass Manuel Neuer bei dieser WM erneut die höchsten Ansprüche erfüllen kann?

„Ja, absolut. Manuel Neuer ist nicht umsonst der Kapitän und der Anführer der Nationalmannschaft. Wenn er top fit ist, gehört er nach wie vor zu den absolut Besten der Welt, daran gibt es gar keine Zweifel.“

 

 
Sie persönlich haben an zwei Weltmeisterschaften (1982 & 1986) teilgenommen. Welche ist Ihre schönste Erinnerung?

„Da muss ich gar nicht groß nachdenken: Die WM 1986 in Mexiko. Das kleine Belgien kämpft sich nach einer Auftaktniederlage bis ins Halbfinale und wird am Ende nur durch den überragenden Maradona gestoppt.

Das ganze Land hat uns damals gefeiert. So etwas vergisst man niemals.“

 
Was trauen Sie Belgien nun in Katar zu?

„Ich traue meine Roten Teufeln einiges zu. In der Vorrunde müssten wir uns eigentlich gemeinsam mit Kroatien durchsetzen, auch wenn gerade die Kanadier nicht zu unterschätzen sind. Danach brauchst du dann Losglück, die richtige Tagesform.

Und natürlich müssen die Schlüsselspieler in Form sein. Davon hängt vieles ab. Wenn alles zusammenpasst, dann kann Belgien durchaus für die Überraschung sorgen. Wir haben einen sehr guten Kader.“

 

Belgien bei der WM 2022

 
Wie weit kann die deutsche Mannschaft kommen?

„Für die deutsche Mannschaft gilt dasselbe wie für Belgien. Es muss alles zusammenpassen.

Die Vorrunde sollte kein Problem werden, ich sehe Spanien und Deutschland auf den ersten beiden Plätzen. Wir alle wissen, dass Deutschland eine Turniermannschaft ist, die sich bei so einer WM steigert und eigentlich immer bis mindestens ins Halbfinale kommt.

 
Sehen Sie es als Vorteil, dass bei der DFB-Elf wohl gleich sieben Spieler vom FC Bayern in der Startelf stehen könnten?

„Erst einmal hat Deutschland mit Hansi Flick einen Trainer, der seine Spieler aus seiner Münchner Zeit bereits bestens kennt. Dann hat auch die Vergangenheit, besonders in den 70er- und 80er-Jahren mit den Gladbacher und Bayern-Blöcken gezeigt, dass solche Blöcke von immenser Bedeutung sind, beziehungsweise ein großer Vorteil werden kann.

Ich sehe es bei dieser WM in Katar sogar als Trumpf, allein mit der Tatsache verbunden, dass alle Teilnehmer keine vernünftige Vorbereitung absolvieren konnten.“

 
In München haben Sie zusammen mit Flick noch gespielt.

„Ja, richtig. Damals war er schon jemand, der immer über den Tellerrand hinausgeschaut hat. Er hatte immer dieses Trainer-Gen in sich und hat als Cheftrainer bei den Bayern bewiesen, dass er in der Lage ist, eine Mannschaft zu größtmöglichem Erfolg zu führen. Davor kann man nur den Hut ziehen.“

 
Was wäre Ihr Traum-Finale am 18. Dezember in Doha?

„Selbstverständlich für mich persönlich wäre Deutschland gegen Belgien der absolute Traum. Dabei würde mich natürlich als ehemaligen Schlussmann besonders das Fernduell zwischen Manuel Neuer und Thibaut Courtois interessieren.“

Das Interview wurde geführt von Alexis Menuge.

 

Deutschland bei der WM 2022

 

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