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Traineroldie Guy Roux exklusiv über Cantona, Klopp & Berater-Mafia

Aktualisiert Jan 31

Philipp Stottan

Von Philipp Stottan

Sportwetten-Experte

Guy RouxBild: Guy Roux vergleicht sich im Interview mit Jürgen Klopp. (© IMAGO / PanoramiC)

 

Trainer-Legende Guy Roux im Interview über die WM 2022, Brasilien & Lionel Messi

 

Mit 84 Jahren ist Guy Roux nach wie vor Fußball-besessen. Guy Roux ist einer der legendärsten Trainer Frankreichs, hält den Ligue 1 Rekord 895 Spielen auf der Trainerbank.

44 Jahre lang war er Coach des AJ Auxerre, mit denen er einmal Meister wurde und viermal den Pokal holte – die einzigen Titel in der Geschichte des Vereins. 1996/97 scheiterte man in der Champions League am BVB – auf deren Weg zum Titel.

Im Interview mit den Wettfreunden spricht Guy Roux über Jürgen Klopp, wie sich das Trainer-Dasein von damals zu heute geändert hat, wie man Eric Cantona in den Griff bekam und die Berater-Mafia im Fußball.

 

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Monsieur Roux, könnten Sie heute noch junge Spieler im Alter von 20 Jahren trainieren?

„Ja, das würde ich sicherlich tun. Ich habe 1961 mit dem Training begonnen, da war ich 21,5 Jahre alt. Einige meiner Spieler waren 31 Jahre alt, Familienväter, Arbeiter, die 51 Stunden pro Woche arbeiteten und ich ließ sie abends acht Kilometer joggen.

Heute hat die Jugend einen gewissen Wandel durchgemacht, genau wie die Gesellschaft. Genauso wie ich mich sehr partiell an die Elektronik angepasst habe – ich kann meinen Fernseher einschalten, was ich 1961 noch nicht konnte.“

 
Von welchem Spieler sind sie am meisten beeindruckt worden während Ihrer Zeit in Auxerre?

„Vor allem von Eric Cantona: Ein Genie mit einem schwierigen Charakter. Ich wusste mit ihm umzugehen. Er hatte eine unruhige Kindheit, aber er brauchte jeden Tag viel Vertrauen und Wärme.

Zwischen uns hat die Chemie gepasst und ich war froh, dass er in Manchester United mit Alex Ferguson als Trainer den passenden Verein für seinen internationalen Durchbruch gefunden hatte.“

 
Welche Trainer mögen Sie oder haben Sie in den vergangenen Jahre besonders geschätzt?

„Durch seine Art, seine stoische Ruhe und seine Treue zu Arsenal: Arsène Wenger. Ein Phänomen mit einem ausgezeichneten Charakter. Er hat vieles geschafft, fast allein das Stadion mitten in London bauen lassen und einer der Ersten gewesen, der wusste, wie man den Rasen pflegt.

Gegen ihn habe ich übrigens fast immer gewonnen. Arsène ist mein Meister. Ich gehöre nicht zu den größten Trainern aller Zeiten wie er. Ich habe ja nie einen absoluten Top-Verein in Europa trainiert. Ich war sehr gut, aber er gehört zu den wenigen Ausnahme-Trainern.“

 
Wer noch?

„Hennes Weisweiler habe ich gut gekannt, ein fantastischer Trainer und ich habe mir Einheiten von Rinus Michels beim FC Barcelona angeschaut.

Auch Lucien Favre ist ein Taktik-Fuchs. Er hat in Gladbach, bei Borussia Dortmund und in Nizza tolle Arbeit geleistet. Ich bewundere seine Arbeit und wenn er Interviews gibt, verpasse ich keine Sekunde: Er ist bescheiden, präzis, intelligent, die Kriterien eines perfekten Trainers.

Kein Trainer konnte Mario Balotelli in den Griff bekommen und er ist der Einzige, der ihn in Nizza im Griff gehabt hat. Der Italiener hatte ihn bei seinen Auswechslungen sogar in den Arm genommen.“

 
In wem von den derzeitigen Trainern erkennen Sie sich wieder?

„Jürgen Klopp ist ein ähnlicher Typ wie ich. Er hat natürlich nicht die gleiche Geschichte. Aber in der Menschenführung ist er ähnlich, allein seine Treue, erst zu Borussia Dortmund und nun zu Liverpool.

Carlo Ancelotti muss man dabei auch erwähnen. Alle seine Spieler haben gesagt, dass er großartig war, angenehm. Es gibt etwa 10 Prozent, die sagen würden, dass ich nicht angenehm bin. Aber manchmal, selbst mit denjenigen, mit denen ich einen großen Konflikt hatte, komme ich heute gut mit ihnen aus.“

 

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Wären Sie heute auch noch gern Trainer?

„Mit 40, 50, 60 war ich ein glücklicher Trainer und mit 84 bin ich ein glücklicher Mensch. Ich bereue nichts. Wäre ich 30 Jahre jünger, wäre ich heute in England. Das wäre mein Traum gewesen.

Englisch kann ich fließend und dort eine Ära zu prägen, wie es Arsène Wenger gelungen ist, hätte mich gereizt, vor allem mit der Mission, dass der Verein durch meine Arbeit viel Geld generiert wie früher in Auxerre.“

 
Werden die Trainer heutzutage zu schnell entlassen?

„Ehrlich gesagt finde ich das nicht mal. Es war bereits vor 20, 30 oder 40 Jahren der Fall. Das ist kein neues Phänomen. Damals war die Trainerauswahl nicht so breit wie etwa heute, sodass diejenigen, die entlassen wurden, spätestens nach drei Monaten wieder einen Job hatten.

Heute ist es genauso. Manche Trainer werden rausgeschmissen und nach einer kleinen Erholungsphase sind sie wieder zurück. Es handelt sich quasi immer um dieselben Trainer. Es ist ein Teufelskreis. Als ich in den 70-er Jahren angefangen hatte, war es eine Art Bruderschaft unter Trainern.“

 
Was hat sich in den letzten Jahren besonders verändert?

„Der große Einfluss der Berater. Sobald ein Coach seinen Platz räumen muss, werden sie sofort ins Spiel gebracht. Es läuft wie bei einer Mafia, denn der gewählte Trainer muss dann auch oft Spieler verpflichten, die zur selben Firma seines Beraters gehören.“

 
Ist der mediale Druck zu groß geworden?

„Nein, das würde ich jetzt nicht behaupten. Zu meiner Zeit war es natürlich deutlich weniger, es gab ja zwei bis drei Journalisten im Training. Ich habe sogar dafür gesorgt, dass die mediale Aufmerksamkeit in Auxerre deutlich größer wird. Wir hatten es gebraucht um zu wachsen.

Ich ging sogar soweit, dass ich nach jeder Partie selber einen Artikel schrieb, der dann in der Lokal- Zeitung erschien, aber ohne Autoren-Namen. Dabei sprach ich von mir in der dritten Person. Manche wussten, dass ich das war.

Können Sie sich das heute irgendwie vorstellen? Heute ist der Druck von den Medien sehr groß, aber nicht die Medien sind das Problem.“

 

 
Sondern?

„Die Eigentümer der Vereine. Ich bin gespannt, wie die Entwicklung in ein paar Jahren aussehen wird, aber ich bleibe optimistisch.

Die Scheichs oder Oligarchen werden den Fußball nicht kaputt machen. Dafür ist die Fußball-Familie einfach zu stark.“

 
Sie sind 44 Jahre bei Auxerre Trainer gewesen. Heute wäre ein Trainer dafür gelobt, wenn er 44 Monate beim selben Verein schaffen würde.

„Das ist wohl wahr. Zwischen drei und vier Jahren schaffen es aber noch Einige wie eben Jürgen Klopp.“

 
Wie wird dieser Trainer-Job in zehn oder zwanzig Jahren aussehen?

„In den vergangenen Jahren hat er sich durch die Computer und die neuen Technologien unfassbar schnell weiterentwickelt. Ich persönlich habe nie einen Computer benutzt. Ich glaube Sir Alex Ferguson auch nicht.

Dass man mit vielen Co-Trainern, Physiotherapeuten, usw. zusammenarbeitet ist ebenfalls relativ neu. Manchmal funktioniert es, manchmal aber auch nicht. Mit dem Computer sollte man es nicht übertreiben. Man muss damit intelligent umgehen. Ein guter Computer ist nicht so wichtig wie zehn gute Bälle.“

Das Guy Roux Interview wurde geführt von Alexis Menuge.

 

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