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Cafu packt aus: WM-Erinnerungen eines zweifachen Weltmeisters

Aktualisiert Nov 30

Philipp Stottan

Von Philipp Stottan

Sportwetten-Experte

CafuBild: Cafu blickt auf seine Weltmeisterschaften zurück. (© IMAGO / TheNews2)
 

Brasiliens Legende Cafu im Interview

Marcos Evangelista de Moraes, bekannt als Cafu, zählt zu den größten Spielern die Brasilien je hervorgebracht hat und obendrein als der womöglich beste Außenverteidiger aller Zeiten.

Vor dem Start der WM 2022 stellen die brasilianischen Redaktionskollegen des Sportportals Sites-de-Apostas uns eine ganze Reihe von Interviews mit Cafu exklusiv zur Verfügung. In der heutigen Ausgabe nimmt uns der zweifache Titelträger mit auf einen spannenden Streifzug durch seine ganz persönliche WM-Historie.

Was Cafu zum 7:1 zwischen Deutschland und Brasilien, dem WM Finale 2002 gegen Deutschland, Zinedine Zidane, ‚Il Fenomeno‘ Ronaldo oder Neymar zu sagen hat, das erfahrt ihr hier.

 
Cafu über den Tag seiner Geburt:

„Am 7. Juni 1970, als Jairzinho das historische Tor für die brasilianische Nationalmannschaft [1:0 Sieg gegen den amtierenden Weltmeister England in der Gruppenphase – Brasilien wurde später Weltmeister, Anm.] schoss, wurde Marquinhos, bekannt als Cafu, im Jardim Irene geboren.

Ich wurde 1970 geboren, mitten in der Fußballweltmeisterschaft, als Jairzinho traf, was mir eine große Ehre ist. Es war kurz vor dem Fußballspiel. Ich erinnere mich, dass meine Mutter und mein Vater erzählten, dass die Krankenschwestern sagten: ‚Los, los, los, schnell, in Kürze findet ein Fußballspiel von Brasilien statt‘.“

 
Cafu über Schmähgesänge im Maracanã:

„Heute rede ich mit einem Lachen darüber, aber es war das erste Mal, dass ich meinen Vater ins Maracanã mitnahm, um ein Spiel zu sehen. Brasilien und Argentinien, kurz vor der Weltmeisterschaft 1998. [0:1 Niederlage im Testspiel – Cafu spielte durch, Anm.]

Ich sagte: „Komm Papa, schau dir das Spiel an“. Mein Vater ist ganz glücklich im Maracanã, es waren etwa 120.000 Zuseher. Wir haben das Spiel schlecht gespielt, Brasilien hat schlecht gespielt. Brasilien hat die ‚Farbe des Balls nicht gefunden‘. Wir haben das Spiel mit 1:0 gegen Argentinien verloren und das ganze Maracanã hat einen Sprechchor gesungen [voller Schimpfwörter, Anm.]

Ausgerechnet mein Vater musste dabei gewesen sein, zum ersten Mal ins Maracanã, am Vorabend der Einberufung für die Weltmeisterschaft 1998. Das ganze Stadion hat mich ausgebuht. Als ich dann meinen Vater traf, war es sehr lustig. Mein Vater hat versucht, mich zu trösten und ich habe versucht, meinen Vater zu trösten. Ich habe immer gesagt: ‚Papa, mach dir keine Sorgen.‘

Er: ‚Nein, mein Sohn, du musst ruhig bleiben. Ich weiß, wie diese Leute sind. Bleib ruhig. Du gehst zur Weltmeisterschaft. Und ich sagte: ‚Nein, Vater, ich will, dass es dir gut geht. Vergiss, dass die Leute da oben geredet haben, weil die Fans so sind. Das Wichtigste ist, dass alles gut wird.‘

Der eine versuchte, den anderen zu trösten. Es war sehr lustig, es war aber auch sehr hässlich. Es war sehr traurig. Ich war in diesem Spiel sehr aufgeregt, aber ich habe versucht, meinen Vater zu trösten. Mein Vater hat versucht, mich zu trösten, das war noch lustiger als das Spiel selbst. Und dieses Spiel hat Raí und Zé Elias wirklich die WM-Teilnahme gekostet.“

 


 

„Zidane war allen 10 Schritte voraus“

 
Cafu über Zinedine Zidane gegen Brasilien:

„Im ersten Spiel gegen Brasilien [Finale der WM 1998, Anm.] hat Zidane zwei Tore mit dem Kopf erzielt, was er in der Geschichte noch nie getan hat. .

Im Jahr 2006 [WM Viertelfinale gegen Brasilien, Anm.] war es eines der besten Fußballspiele, die wir von Zidane je gesehen haben. Zidane, haben wir gesagt, hat den ’schönen Ball gespielt‘. Es war beeindruckend, was er da gemacht hat. Er hat das Fußballspiel dominiert. Er war im Mittelfeld, hat dominiert und hat gespielt als würde er sagen: ‚Dieser Ball hier gehört mir, denk gar nicht daran‘.

[Sein Pass zum 1:0 auf Henry] ist durch 4 Spieler gegangen, dann war es vorbei. Das ist der Verdienst des Spielers. Es ist schwer, einem Spieler Anerkennung zu zollen, nicht wahr? Es sind nicht nur die brasilianischen Spieler, die diese Qualität haben. Er hatte eine Menge Qualität.

Zidane waren allen in Gedanken zehn Schritt voraus. Er beherrschte den Ball und wusste schon davor, was er tun würde und wo Thierry war. Diese Vision, die er vom Fußballspiel hatte, war beeindruckend. Und dieses Fußballspiel, das hat er wirklich dominiert.“

 
Cafu über Ronaldos Zustand vor dem WM Finale 1998:

„Ronaldo wurde im Vorfeld also krank. Er ging ins Krankenhaus, um sich untersuchen zu lassen. Wir gingen zum Stadion, alle sahen gut aus, machten sich warm und Dunga wärmte sich auf. Es war traurig, aber wir mussten aufwärmen, denn bald würde das Spiel starten.

Kurz danach kam Ronaldo in die Umkleidekabine, Ronaldo mit Dr. Lidio Toledo. ‚Es sieht so aus, als hätte ich eine Tracht Prügel bezogen, ich weiß nicht mehr, aber ich werde spielen‘. Dunga schaute auf und er sagte nochmal: „Ich werde spielen‘. Dann wandte sich Co-Trainer Zagallo an Lidio, der sagte: ‚Klinisch gesehen hat er nichts‘.

Was macht man da? Ronaldo ist ein Spieler und sagt: ‚Ich will spielen‘, der Arzt sagt, er hat nichts. Es ist immer die Schuld des Trainers. Und Ronaldo spielte. Damit hat er diese seltsame Atmosphäre geschaffen, die aber nicht der Grund für die Niederlage war. Das war der Verdienst Frankreichs. Ich sage das immer in Gesprächen.

Sehen Sie, ich könnte alle Ausreden der Welt benutzen und sagen: ‚Ach, Ronaldo hat die brasilianische Mannschaft destabilisiert, alle waren nervös‘. Nein, das ist ein Verdienst Frankreichs, das besser gespielt hat als die brasilianische Mannschaft, Punkt. Diese französische Auswahl von heute ist gut, aber nicht so gut wie die von 98.“


Cafu: „Deutschland schlagen tut immer gut“


Cafu über das WM Finale 2002 gegen Deutschland:

„Das war eines der großartigsten Fußballspiele, die wir je gemacht haben. Deutschland hat der brasilianischen Mannschaft immer große Fights geliefert.

Aber unsere Mannschaft war sich so bewusst, was sie zu tun hatte und so sicher, dass wir dieses Fußballspiel gewinnen würden, was beeindruckend war. Diese eine Parade von Marcos in der ersten Halbzeit. Wir sagten: ‚Vergiss es. Heute ist so ein Tag. Sie werden nicht gewinnen. Vergiss es, Marcos, heute kassierst du kein Gegentor.‘

Das hat uns die nötige Sicherheit gegeben. Wir werden dieses Spiel mit Leichtigkeit gewinnen. Das zweite Tor von Ronaldo war ein schönes Gemälde. Der Pass, das Überholmanöver. Deutschland zu schlagen ist immer schwierig, aber es tut immer gut. Und Deutschland in einem WM-Finale zu schlagen, ist eine noch wunderbarere Sache.“
 

Cafu WM 2022

 

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Cafu über Ronaldo bei der WM 2002:

„Es ist erstaunlich, was er [Ronaldo, Anm.] bei dieser Weltmeisterschaft 2002 überwunden hat. Es war erstaunlich, aber auch, was wir getan haben. Wir sagten: ‚Wir sind bis zum Ende bei dir‘ und ‚Wir werden dich brauchen‘. ‚Wir brauchen dich und wir brauchen dich in guter Form‘.

Jeden Tag gaben wir ihm Gas. Qualität, die hatte er. Technik, die hatte er. Und er wusste, wie man Tore schießt. Er brauchte nur Motivation. Und Ronaldo hat getan, was er immer tat. Und Brasilien tat das, was es immer getan hat. Wir hatten sieben Spiele, mit sieben verschiedenen Spielern, die zum Spieler des Spiels gewählt wurden.“

 
Cafü über das 7:1 von Deutschland gegen Brasilien 2014:

„Wenn Brasilien und Deutschland heute spielen würden, käme natürlich wieder die Frage auf: ‚Oh, und das 7:1, sprichst du über das 7:1?‘

Nein. Ich erinnere mich an 2:0 [WM Finale 2002, Anm.] Ich erinnere mich an das 2:0, was ist 7:1? Das ist abgehakt. Das 2:0 ein WM-Finale. Das 7:1 ist vorbei, es ist vorbei.“

 
Cafü über Neymar: „Seine Zeit ist gekommen“:

„Neymar würde 1994 und 2002 spielen. Ich mache gerne ein paar schöne Vergleiche. Wenn der und der in dieser Mannschaft gespielt hätte – das ist alles Vergangenheit, die ist vorbei. Wer ist besser, Pelé oder Maradona? Zwei Genies, beide sind gut

Seine [Neymar, Anm.] Zeit ist jetzt gekommen. Er spielt für die aktuelle Mannschaft. Ich hoffe, dass er in dieser Mannschaft glücklich ist und den Titel holen kann. So wie es zu Jairzinhos Zeiten war, so wie es zu unserer Zeit war und jetzt ist seine Zeit gekommen.“

 

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