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Juventus-Skandale in der Timeline: Doping, Transfers-Betrug, gekaufte Meisterschaft und Bilanzfälschung

Aktualisiert Jan 31

Thomas Haider

Von Thomas Haider

Sportwetten-Experte

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Bild: Die „Alte Dame“ sieht ramponiert aus. Bilanzfälschung ist der nächste der vielen Juventus Skandale der letzten Jahre. (© IMAGO / ZUMA Press)

Das Urteil von 15 Punkten Abzug wegen Bilanzfälschung für die Spielzeit 2022/23 ist der aktuell jüngste Eklat der „Alten Dame“. Es gab schon viele andere Juventus Skandale in der über hundertjährigen Klubgeschichte des italienischen Rekordmeisters.

So gab es 2004 Gerichtsprozesse wegen Doping, später wurden dem Klub sogar der Kauf der italienischen Meisterschaft nachgewiesen.

Ein Rückblick über die größten Juventus Skandale – von Doping, Spielmanipulation, Transfer-Betrug und Bilanzfälschung.

 

Juventus Skandale: Doping in den 1990er-Jahren

In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre gab es Dopinggerüchte um einige Juventus-Spieler. In der Blütezeit des EPO-Dopings – man denke an die Tour de France von 1996 bis 1999 – sollen auch viele Juve-Spieler mit der damaligen Wundermittel nachgeholfen haben.

So wurden unter anderem den damaligen Juventus-Stars wie Alessandro del Piero „unnatürliche Muskelzuwächse“ unterstellt. Aber auch Antonio Conte, Alessio Tacchinardi und Didier Deschamps gerieten in den Fokus.

Deschamps soll „einen Hämatokriten von über 51 Prozent – zwölf Prozent mehr als ein Jahr davor“ aufgewiesen haben. Das sind vergleichbare Werte zu den damaligen Tour de France-Siegern Bjarne Riis und Lance Armstrong.

Im Auftrag der Turiner Richter, die im Dopingprozess gegen Juventus urteilen müssen, wurden damals Blutanalysen Dutzender von Juve-Fußballern zwischen 1994 und 1998 überprüft. „Es gibt gravierende Beweise, dass Juventus-Spielern Epo verschrieben wurde, wie die Blutwerte der Sportler beweisen. Die Beweise sind stark belastend“, betonte der damalige Staatsanwalt Colace damals.

Aus den starken Werteschwankungen schloss Giuseppe D’Onofrio, Berater des Fußballverbands FIGC, dass mindestens zehn Juventus-Profis, darunter Alessandro Del Piero, Didier Deschamps, Paolo Montero, Antonio Conte und Alessio Tacchinardi mit EP gedopt waren.

Das bedeutet, dass der Großteil der Juve-Mannschaft beim Champions League Sieg 1996 gedopt war.

Das Gericht verurteilte im November 2004 den Mannschaftsarzt Riccardo Agricola in erster Instanz zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, während der Geschäftsführer Antonio Giraudo von den Vorwürfen freigesprochen wurde. In zweiter Instanz wurde Agricola vom Vorwurf des Blutdopings freigesprochen da zu dem Zeitpunkt Doping in Italien noch nicht strafbar war.

Er wurde allerdings wegen „des Handels mit und Verteilens von illegalen leistungsfördernden Substanzen“ für schuldig befunden.

 

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Spielmanipulation 2006

Im Frühjahr 2006 gab es gleich den nächsten der vielen Juventus Skandale.

Der damalige Juventus-Generaldirektor Luciano Moggi bestach Schiedsrichter unter anderem mit Uhren und Autos, um Partien zugunsten der Turiner zu verfälschen.

Es wurden Abhörprotokolle bekannt, nach denen sich Luciano Moggi, der damalige Juve-Manager, mit verschiedenen Funktionären des Italienischen Fußballverbandes unterhalten hatte. Für die Staatsanwaltschaft lag damit auf der Hand, dass Moggi die Saison 2004/05 manipuliert und Juve damit die Meisterschaft gleichsam erkauft hatte.

Nachdem die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen hatte, trat im Mai 2006 der gesamte Vorstand des Vereins um Moggi sowie der Präsident des Italienischen Fußballverbands, Franco Carraro, zurück.

 


 

Juve-Geschäftsführer Antonio Giraudo, in den Jahren davor schon wegen den Juventus Skandalen zum Thema Doping vor Gericht, wurde am 14. Dezember 2009 in dieser Sache zu drei Jahren Haft verurteilt.

Am 14. Juli 2006 erfolgte jedoch der erste Urteilsspruch des Italienischen Fußballverbandes, wonach der Verein die Meistertitel der Spielzeiten 2004/05 und 2005/06 verlor. Die genaue Bezeichnung des Vergehens lautete „strukturierter Sportbetrug“. Außerdem wurde Juve dazu verurteilt, die Saison 2006/07 in der Serie B zu spielen und mit 30 Minuspunkten zu starten.

In mehreren Berufungsverfahren wurde der Puntkeabzug von 30 zunächst auf 17 und später auf 8 Punkte reduziert.

 

Italienischer Fußballskandal 2013

Auch beim italienischen Transferskandal 2013 war Jvue involviert.

Es ging dabei um Spielertransfers, Bilanzfälschung und Kartellbildung, welche verschiedenen Klubs von der italienischen Staatsanwaltschaft vorgeworfen wird. Hintergrund waren Verdächtigungen der Staatsanwaltschaft Neapel gegen mehrere Spielerberater, die bei Transfers Steuern hinterzogen und Bilanzen gefälscht zu haben sollen.

Ausgangspunkt des Skandals war eine Anfang Oktober 2012 durchgeführte polizeiliche Durchsuchung der Büros beim SSC Neapel und des italienischen Fußballverbandes FIGC.

Nach Auswertung sichergestellter Dokumente, welche Spielertransfers betrafen, führte die Finanzpolizei Razzien bei 41 italienischen Vereinen durch. Betroffen waren unter anderem Juventus Turin, der AC Mailand, Inter Mailand, die AS Rom, Lazio Rom und der AC Florenz.

Insgesamt wurden 18 von 20 Klubs aus der Serie A, elf Klubs der Serie B und zwölf Klubs aus den anderen italienischen Ligen untersucht.

 

Juventus Skandale: Bilanzfälschung & Transferbetrug 2023

Der nächste auf der Liste der vielen Juventus Skandale. In den Jahren 2018, 2019 und 2020 soll der Klub bei 22 Spielertransfers betrogen haben. Die Folge: 15 Punkte Abzug für die Saison 2022/23.

Klubboss Andrea Agnelli, Geschäftsführer Maurizio Arrivabene (früher Teamchef beim Formel 1-Team Ferrari) und die Vorstandsmitglieder um Vizepräsident und Vereinsikone Pavel Nedved haben wohl Kapitalgewinne und gezahlte Löhne nicht in den Bilanzen des Vereins aufgeführt haben.

Gegen die aufgeführten Personen wird demzufolge unter anderem wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt. Die Turiner Staatsanwaltschaft hat Verfahren gegen 16 Angeklagte wegen Bilanzfälschung eingereicht.

Was wird Juve genau vorgeworfen?

Juventus Turin ist seit 20. Dezember 2001 an der Börse und muss für alle Aktionäre die Spieler-Werte in einer Bilanz angeben. Dabei wurde mächtig geschummelt.

Die italienische Börsenaufsicht schaltete sich daraufhin ein, zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Verein wegen Bilanzfälschung in den Jahren 2018, 2019 und 2020. Dabei soll es um Beträge von 115 Millionen Euro gehen, die der Verein aus fingierten Bewertungen seiner Spieler in den Büchern vermerkt habe.

 

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So funktionierte der Juventus Transfer- und Bilanz-Betrug

Wird ein Spieler zum Beispiel für 10 Millionen verpflichtet und erhält einen Fünfjahresvertrag, so wird er nach einem Jahr mit 8 Millionen bilanziert. Jedes Jahr fällt der Wert um zwei Millionen Euro. Verkauft Juve den Spieler allerdings wieder über den Wert, so macht der Klub ein Plus in der Bilanz.

Bei Spielertauschs wiederum konnte Juve einige Spielerwerte über ihren Marktwert veräußern und damit die Bilanzen durch gesteuerte Preise beschönigen – und somit die Regeln des Financial Fairplay umgehen.

Ein enthülltes Dokument zeigt zudem einen Deal zwischen Juventus und Atalanta Bergamo. Dabei verpflichtete sich Atalanta, einen Juventus-Spieler für drei Millionen Euro zu kaufen – als Teil des Verkaufs von Dejan Kulusevski.

Welcher Spieler das am Ende war (Simone Muratore, Marktwert 0,3 Mio. Euro), entschied Juventus aber selbst. Mit solchen Deals schaffte es Juventus, nicht gegen die Financial-Fairplay-Regeln zu verstoßen.

 


 

Der Klub hat in diesen Jahren – auch aufgrund der Coronavirus-Pandemie – einen Verlust von 337 Millionen Euro angegeben. Die Ermittler haben in der gleichen Zeitspanne einen Verlust von 542 Millionen Euro festgestellt.

Die Staatsanwaltschaft interessiert sich aber auch für den Lohnverzicht, den die Spieler auf dem Höhepunkt der Pandemie zugestanden. Demnach berichtete Juventus, dass die Spieler auf rund vier Monate ihres Gehalts verzichteten. In Tat und Wahrheit sollen die Spieler aber nur den Verzicht von einem Monatsgehalt zugesichert haben. Die Ermittler interpretieren das als Irreführung der Finanzmärkte.

Zudem soll es rund um den Transfer von Cristiano Ronaldo im Jahr 2018 ein ominöses Dokument geben.

In einem abgehörten Gespräch soll zu hören sein, wie Federico Cherubini, einer der Personalchefs von Juventus, und Cesare Gabasio, ein ehemaliges Mitglied der Rechtsabteilung, davon sprachen, wie „die Behörden uns an die Kehlen springen“ werden, sofern sie „das geheime Dokument“ fänden.

Der jüngste der Juventus Skandale hat auch Konsequenzen für alle Beteiligten.

Ex-Präsident Andrea Agnelli etwa wurde für zwei Jahre, der ehemalige Vizepräsident Pavel Nedved für acht Monate für jegliche Aktivitäten im italienischen Fußball gesperrt. Die beiden waren jüngst bereits zurückgetreten. Der noch aktive Sportkoordinator Federico Cherubini bekam 16 Monate Sperre aufgebrummt.

 

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