Neururer kritisiert einseitige VAR-Entscheidungen: „Gerechter ist der Fußball nicht geworden“
Aktualisiert am 13.07.2026 - 15:43 Uhr
Bild: Peter Neururer spricht über die eigentliche Rolle des VAR und die kommenden WM-Halbfinal-Spiele.
Peter Neururers Kolumne zu VAR-Diskussionen, eigenartiger Regelsauslegung, sowie dem WM-Halbfinale
Während Argentinien, Frankreich, England und Spanien sich für das Halbfinale qualifiziert haben, werfen immer mehr Fragen zum VAR einen Schatten über die WM 2026.
Peter Neururer spricht davon, dass die vielen Unterbrechungen „persönlich störend“ seien und spricht von eine Entwicklung, die „schädlich für den Fußball ist“.
Darüber hinaus geht es bei einer WM eigentlich auch um Fußball. Deshalb analysiert der Ex-Trainer die beiden Halbfinal-Spiele und die beteiligten Mannschaften. Wetten auf die Spiele platziert ihr am besten mit einem der besten WM Wettanbieter.
Neururer über VAR: „Gerechter ist der Fußball mit Sicherheit nicht geworden“
Liebe Wettfreunde,
wir stehen vor den WM-Halbfinalspielen. Diskussionspunkte gibt es natürlich, wie immer bei allen Spielen. Aber gerade jetzt, bei dieser Weltmeisterschaft, eskaliert es mehr oder weniger. Der VAR ist geholt worden, irgendwann mal, um den Fußball gerechter zu machen und weniger Diskussion aufkommen zu lassen. Was ist daraus entstanden? Gerechter ist der Fußball mit Sicherheit nicht geworden. Diskussionen gibt es nach jedem Spiel, egal in welcher Richtung. Also störend, für mich persönlich störend.
Chip im Ball wunderbar, um klar festzustellen, ob der Ball über die Linie gegangen ist, ja oder nein. Hilfreich. Torlinienkamera, hilfreich, keine Frage. Aber was der VAR macht im Augenblick, ist eine eigenartige Auslegung von Regelfragen. Von Regelfragen, die durch die Regel selber beantwortet werden, dann aber unterschiedlich gehandhabt werden. Und das kann nicht sein.
Regeln müssen dazu da sein, das Spiel zu leiten, das Spiel zu begleiten und das Spiel auch irgendwo mit Hilfe von Gerechtigkeit zu entscheiden. Aber diese Regeln müssen klar formuliert sein. Sobald ich die Möglichkeit habe, über die Auslegung verschiedene Interpretationsmöglichkeiten darüber zu legen, ist diese Regel nicht gut.
Und das, was der VAR bei Abseitsentscheidungen mit irgendwelchen Linien, mit ähnlichen Dingen, ob da nun aktives Bewegen beim Handspiel vor allen Dingen zum Ball vorlag, Absicht oder Nichtabsicht alles mit einbezieht, ist es nicht mehr gut, sondern es ist schädlich für den Fußball.
Schädlich dahingehend, dass der Spielfluss nicht nur unterbrochen wird, dass das Verhalten von den Spielern und auch von den Zuschauern total manipuliert wird, auf eine Art und Weise, die dem Fußball nicht hilft. Das sollte man bedenken.
Peter Neururer kritisiert den VAR und freut sich auf das WM Halbfinale mit den besten Mannschaften.
Neururer über WM-Halbfinale: „Da haben sich die Favoriten durchgesetzt“
Daraus resultierend gibt es natürlich auch sportliche Leistungen, die wir betrachten. Die sportlichen Leistungen sind die, dass die vier mit Sicherheit besten Mannschaften, weil erfolgreichsten Mannschaften, zurecht im Halbfinale dieser Weltmeisterschaft stehen.
Da haben sich die Favoriten durchgesetzt. Ich würde sagen, durch die fußballerischen Leistungen nicht unbedingt brilliert, wie die Engländer zum Beispiel, auch teilweise wie die Argentinier nicht unbedingt. Weil sie pragmatischen Fußball gespielt haben. Man redet immer von Messi, klar Messi, was er zeigt ist außergewöhnlich. Die Mannschaftsleistung ist außergewöhnlich, die die Argentinier an den Tag legen.
Eine Mannschaft die weiß, welche Wertigkeit Messi hat. Ein Mann, der gegen den Ball nicht mitspielen muss, der sich auf seine wesentlichen und absolut Weltklasse-Momente konzentrieren kann. Der die Kraft dafür hat, der Mannschaft zu helfen. Wunderbar und gut. Die Spielfreude allerdings bzw. die Spielqualität ist nicht unbedingt die eines Weltmeisters.
Aber Argentinien ist Weltmeister und ist auch gerechterweise und durch Unterstützung der einen oder anderen VAR-Entscheidung, das darf man auch nicht vergessen, in dieses Halbfinale gekommen. Man ist amtierender Weltmeister und hat die Möglichkeit, das auch zu verteidigen.
Gegen eine englische Mannschaft, die im ersten Spiel relativ spektakulären Fußball gezeigt hat. 4:2 gewonnen gegen Kroatien, das war das spektakulärste, das schönste und das beste Fußballspiel, danach wurde pragmatisch Fußball gespielt. Nicht unbedingt glänzend, aber mit einzelnen Spielern, Harry Kane, Jude Bellingham, ist man dann letztendlich zum Sieg gekommen, auch teilweise begleitet durch VAR-Entscheidungen, die man durchaus etwas anders interpretieren hätte können.
Neururer über Tuchels Kritik und Bellinghams Konter: „Warum klärt er das nicht innerhalb der Mannschaftskreise?“
Nach diesem Spiel der Engländer gegen die Norweger, auch hier ist eine 2:0-Führung von Norwegen nicht anerkannt worden, von daher äußerst glücklich für England, warum auch immer, hat nach diesem Spiel Thomas Tuchel genau das Richtige gemacht und gesagt, in der Öffentlichkeit, was man in der Situation als Trainer sagen muss. Euphorisiert, jubelnd über das Ergebnis, jubelnd über die Mentalität, die er dieser Mannschaft extra nochmal ausgesprochen hat, aber kritisch angemerkt, dass das Fußballerische mit Sicherheit nicht ausreichend ist, um den nächsten Gegner zu schlagen.
Großartig, wie er das gemacht hat. Er hat keinen einzelnen Spieler angegriffen, keinen einzigen, schon gar nicht in der Öffentlichkeit wohlgemerkt, und hat sich klar positioniert. Das war eine tolle Aussage von ihm. Daraufhin meldet sich plötzlich Bellingham, der den Trainer angreift. Mit seiner Argumentation natürlich erklärbar, von wegen der Trainer hat solche Spiele noch nie gespielt, gegen solche Gegner und vor allen Dingen, bei solchen Bedingungen.
Da hat Bellingham recht, aber warum klärt er das nicht in professioneller Montur, innerhalb der Mannschaftskreise? Bellingham hätte sagen können, das ist die Sicht des Trainers, wir haben eine andere, darüber reden wir intern, das hat er nicht gemacht. Und jetzt bin ich mal gespannt, wie Thomas Tuchel, der hochsensible Trainer, der erfolgreiche Trainer im Augenblick, mit der Situation umgeht und wie Bellingham sich zeigt. Ein spannendes Spiel zweifelsfrei.
Neururer über Frankreich vs. Spanien: „Das vorweggenommene Endspiel“
Das zweite Halbfinale ist für mich persönlich, gefühlt, das vorweggenommene Endspiel, Frankreich gegen Spanien. Beide Mannschaften sind in dieser Verfassung in der sie sind, während dieser WM noch nicht ein einziges Mal unter Druck geraten. Keinmal unter Druck, immer wieder nach vorne spielen, gut konstruiert, gut konzipiert.
Die Franzosen basierend auf einer unglaublichen Viererkette im Defensivverhalten und dann, das Mittelfeld übergehen wir mal mehr oder weniger, aber mit drei Sturmspitzen, zu denen es auch noch Alternativen gibt, weltweit im Prinzip mit nichts anderem zu vergleichen. Unglaublich, was diese Spieler, angeführt von Mbappe, da vorne veranstalten.
Ich glaube, dass Mannschaften wie Spanien, wie Frankreich, noch nie unter Druck geraten sind, die Franzosen jetzt aber Druck ausüben werden. Sie werden ihr Spiel durchziehen, sie werden nicht früh attackieren, da bin ich fest davon überzeugt, weil die Spanier mit ihrem Kombinationsfußball mit ihrem technisch perfekten Fußball, mit ihrem unglaublichen Positionsspiel und mit ihrer Torgefahr vom Mittelfeld ausgehend bis in die Spitze versuchen werden, das Spiel zu machen.
Ich kann mir vorstellen, dass die Franzosen auch geneigt sind, durch die Führung des unglaublich erfahrenen und erfolgreichen Trainers Deschamps, der übrigens sein letztes WM-Turnier für Frankreich macht, den Ball in einigen Situationen ganz gerne abgeben und versuchen, dadurch eine Tiefe zu erreichen. Sie werden nicht vorne voll draufgehen, sie werden sich also den Platz nehmen.
Sie kriegen den Platz mit Sicherheit gegen die Spanier und von daher ist Frankreich für mich im Vergleich dieser beiden brutal starken Mannschaften, für mich die stärksten Mannschaften der Welt, im Augenblick der leichte Favorit. Es wird wahnsinnig spannend. Es wird hoffentlich jetzt mal in diesem Halbfinale absolut hochklassiger Fußball, von hochklassigen Fußballspielern praktiziert. Dabei wirklich viel Spaß.
Bleibt sportlich. Euer Peter Neururer.
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Karl-Heinz
Karl-Heinz schloss 2015 sein Studium der Informations-, Medien- und Kommunikationswissenschaften ab und arbeitet seitdem als freiberuflicher Journalist mit Schwerpunkt Sport. Seine umfassenden Kenntnisse über Wettanbieter und -angebote machen ihn zu einem festen Bestandteil der Wettfreunde-Redaktion, wo er sich auf das…

