Neururer über WM-Aus und Julian Nagelsmann: „Arroganz oder totale Selbstüberschätzung“

Aktualisiert am 30.06.2026 - 14:15 Uhr

Karl-Heinz

Von Karl-Heinz

Neururer redet Tacheles Bild: Peter Neururer spricht über das WM-Aus für Deutschland und nötige Rücktritte.

 

Peter Neururers Kolumne zum Ausscheiden von Deutschland gegen Paraguay bei der WM 2026

 

Damit haben wohl die wenigsten gerechnet, dass bereits im Sechzehntelfinale die WM-Reise für die DFB-Mannschaft zu Ende geht. War man mit den Gedanken schon beim Frankreichspiel? Am Ende hat die Durchschlagskraft im gegnerischen Strafraum gefehlt.

Peter Neururer spricht zwischen Wut und Trauer über die Situation rund um Mannschaft und Trainer nach der dritten verpatzten WM in Folge und fordert jetzt ein Umdenken und Rücktritte.

Die Aussagen von Julian Nagelsmann direkt nach dem Spiel wertet der 71-Jährige als „Arroganz oder vielleicht auch totale Selbstüberschätzung der Situation und vor allem der Position gegenüber“. Die WM jedenfalls geht weiter, auch ohne Deutschland, und daher die Empfehlung sich noch den besten WM Wettanbieter zu scouten.

 

Neururer über erneute Blamage bei einer WM: „An Peinlichkeit kaum zu überbieten“

 

Liebe Wettfreunde,

ich weiß nicht, wie ich mein eigenes Befinden beschreiben soll. Trauer? Nein. Verzweiflung? Vielleicht. Wut? Auch dabei. Eine Mischform von verschiedenen Dingen, die eigentlich kaum zu erklären sind. Oder nur durch die Leistung, nein, durch die Nicht-Leistung unserer Nationalmannschaft bei dieser WM.

Weit ausgeholt sollte man betrachten, dass es die dritte WM hintereinander ist, bei der wir kläglich versagen. Mit Ansprüchen jeweils, groß dabei zu sein. Möglicherweise, nicht als Geheimfavorit, aber immerhin im Kreis der Favoriten immer mit dabei zu sein.

Diesmal ein bisschen ruhiger gehalten, mit den Erlebnissen der letzten beiden Weltmeisterschaften, aber irgendwo trotzdem geträumt. Zumindest davon, das Achtelfinale zu erreichen. Da konnte man sich ausrechnen, aufgrund des eigenartigen Turnierbaumes, dass da möglicherweise Frankreich auf einen zukommt.

 


Peter Neururer spricht zwischen Wut und Trauer über das WM-Aus von Deutschland gegen Paraguay.

 

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Neururer über Gründe: „Da war man mit den Gedanken ganz wo anders“

 

Dazu muss man aber erst mal die eigenen Hausaufgaben machen und die haben wir überhaupt nicht gemacht. An Peinlichkeit, vom Fußballerischen her würde ich das nicht unbedingt sagen, aber bei der Außendarstellung an Peinlichkeit kaum zu überbieten, das was wir abgeliefert haben.

Gestern 120 Minuten gegen Paraguay, 75 % Ballbesitz und was ist dabei rausgekommen? Ein Tor nach Flanke, das hat nicht unbedingt mit großem Ballbesitz zu tun. Flanke Wirtz und Havertz verlängert zum 1:1. Aber dass es davor überhaupt 0:1 stand, unvorstellbar. Eigentlich sportlich kaum zu erklären. Da war man mit den Gedanken ganz woanders und wir reden hier von einer Weltmeisterschaft.

Dann ein Tor nicht bekommen zu haben, absolut korrekt, dass man sich darüber beschwert. Aber das als Ausrede gelten zu lassen, halte ich für zweifelhaft, ist aber auch so nicht gemacht worden. Bei einem Elfmeterschießen, da kann passieren was will, da kann man machen, was man will. Das ist eine Sache, die nicht nur mit Qualität, aber auch teilweise mit Nerven und mit Glück zu tun.

 

Neururer über Nagelsmann: „Arroganz oder vielleicht auch totale Selbstüberschätzung“

 

Diejenigen die hingehen und das Ding in die Hand nehmen, die haben schon Verantwortung übernommen. Dann liegt man halt falsch. Dreimal nicht zu treffen ist natürlich ein bisschen hart. Man hat auch da zwei Matchbälle abgewehrt und dann hat Tah den Entscheidenden letztendlich dann über das Tor gesemmelt. Das kann passieren, das ist menschlich.

Aber was danach kam, ist für mich auch erklärbar, irgendwo vielleicht nachvollziehbar, aber man muss den Strich ziehen und sagen, und jetzt nicht mehr weiter. Julian Nagelsmann, als Trainer bist du immer verantwortlich für die Situation, für das, was sich entwickelt hat, für das, was sich nicht entwickelt hat und vor allen Dingen für die Ergebnisse.

Bei Siegen kann man sagen, die Siege gehören immer der Mannschaft und die Niederlagen, das ist so in unserem Job, immer dem Trainer. Sich danach aber hinzustellen und dann darüber zu sprechen, ja, also, ich bin nicht derjenige der wegläuft. Ich habe noch Vertrag bis 2028, wenn der DFB das nicht möchte, kann der DFB dann mit mir sprechen, aber ich will weitermachen.

Das hat schon eine gewisse Art von Arroganz oder vielleicht auch totale Selbstüberschätzung der Situation und vor allem der Position gegenüber.

Wir müssen einen Schlussstrich ziehen, das ist durchaus richtig. Unter vielen, vielen Dingen, Rücktritte müssen, egal vom Trainer oder von irgendwelchen Spielern, aber Rücktritte müssen auf jeden Fall zwingend jetzt kommen und es müssen Änderungen vorgenommen werden. Und zwar ganz klare Änderungen, wenn man überlegt, wie die Entwicklung des deutschen Fußballs jetzt bei den letzten drei Weltmeisterschaften sich ganz klar dokumentiert hat.

Es ist grauenvoll, immer mehr Schritte zurück auf einen einzigen nach vorne. Traurig, aber es geht trotzdem weiter. Es ist immer weiter gegangen und wir werden wieder aufstehen.

Bleibt sportlich. Peter Neururer

 

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Karl-Heinz schloss 2015 sein Studium der Informations-, Medien- und Kommunikationswissenschaften ab und arbeitet seitdem als freiberuflicher Journalist mit Schwerpunkt Sport. Seine umfassenden Kenntnisse über Wettanbieter und -angebote machen ihn zu einem festen Bestandteil der Wettfreunde-Redaktion, wo er sich auf das…