Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2026: Stand und mögliche Folgen für Sportwetten
Veröffentlicht am 09.09.2026 - 11:36 Uhr
Schützen die deutschen Glücksspielregeln die Spielenden und drängen sie illegale Angebote zurück? Das wird bei der Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 überprüft.
Bis Ende 2026 sollen die Ergebnisse im Endbericht der Länder vorliegen. Sie sollen zeigen, wo Änderungen nötig sind. [1]
Für Wettende geht es dabei um konkrete Fragen: Was könnte sich beim Einzahlungslimit und beim legalen Wettangebot ändern? Und wie ist die Wettsteuer in diese Diskussion einzuordnen? Wir zeigen, was derzeit gilt, welche Änderungen gefordert werden und was tatsächlich beschlossen ist.

Inhaltsverzeichnis
- Was wird bei der GlüStV-Evaluierung 2026 geprüft?
- Der Zeitplan: Was bisher passiert ist und welche Termine anstehen
- Evaluierung und Änderungsstaatsvertrag: Was ist der Unterschied?
- Was sich für Wettende ändern könnte
- Wie groß ist der nicht lizenzierte Markt?
- Wie geht es nach dem Evaluierungsbericht weiter?
- Was gilt bis dahin für Wettende?
- Häufige Fragen zur GlüStV-Evaluierung 2026
- Quellenverzeichnis
Was wird bei der GlüStV-Evaluierung 2026 geprüft?
Mit Evaluierung ist hier gemeint, dass die Auswirkungen der geltenden Glücksspielregeln überprüft werden. § 32 des Glücksspielstaatsvertrags verpflichtet dazu die Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) und der Fachbeirat wirken dabei ebenfalls mit.
Untersucht wird dabei vor allem, wie die Vorschriften den illegalen Markt beeinflussen und Menschen vor Glücksspielsucht schützen. Der zusammenfassende Bericht soll spätestens bis zum 31. Dezember 2026 vorliegen. [2]
Die Ergebnisse sollen einen möglichen Änderungsbedarf aufzeigen. Anschließend ist es Aufgabe des Gesetzgebers, diesen zu bewerten und über Anpassungen zu entscheiden. [1]
Der Zeitplan: Was bisher passiert ist und welche Termine anstehen
Die wichtigsten Termine im Überblick:
| Datum | Vorgang | Ereignis und Bedeutung |
|---|---|---|
| 1. Juli 2021 | Ausgangspunkt | Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 tritt in Kraft. [3] |
| 31. Januar 2024 | Evaluierung | Der Zwischenbericht der Länder hält dringenden Änderungsbedarf fest, unter anderem bei Netzsperren und behördlichen Datenabfragen. [4] |
| 11.–13. Juni 2025 | Änderungsstaatsvertrag | Die Innenministerkonferenz stimmt dem Entwurf des zweiten Änderungsstaatsvertrags zu. [4] |
| 2.–26. März 2026 | Änderungsstaatsvertrag | Die Länder unterzeichnen den Vertrag. [4] |
| 29. Mai 2026 | Änderungsstaatsvertrag | Der Gesetzentwurf zur Zustimmung geht beim Hessischen Landtag ein. [4] |
| 1. Juli 2026 | Separate Behördenentscheidung | Bei virtuellen Automatenspielen werden unter zusätzlichen Voraussetzungen Einsätze bis 5€ möglich. 1€ bleibt der Regelfall. Sportwetten betrifft das nicht. [5] |
| 18. August 2026 | Änderungsstaatsvertrag | Niedersachsens Kabinett beschließt, den Gesetzentwurf zur Ratifizierung in den Landtag einzubringen. [6] |
| Bis 31. Dezember 2026 | Evaluierung | Der zusammenfassende Bericht soll vorliegen. [2] |
| Anschließend | Mögliche Reformen | Der Gesetzgeber bewertet den festgestellten Änderungsbedarf und entscheidet über Anpassungen. [1] |
Evaluierung und Änderungsstaatsvertrag: Was ist der Unterschied?
Bei der Evaluierung wird lediglich geprüft, wie die bestehenden Regeln wirken. Der zweite Änderungsstaatsvertrag soll dagegen bereits konkrete Verbesserungen bringen. Er greift jene Probleme auf, die der Zwischenbericht von 2024 benannt hat. [4]
Im Mittelpunkt stehen dabei die Behörden. Sie sollen illegale Angebote durch Netzsperren wirksamer bekämpfen und leichter Informationen mit anderen Behörden austauschen können. Dazu kommen genauere Vorgaben für den Abgleich mit dem Spielersperrsystem und zur Vertraulichkeit der Sitzungen des GGL-Verwaltungsrats. Änderungen am Einzahlungslimit oder am Steuermodell enthält der Vertrag nicht. [4]
Die Länder haben den Vertrag im März 2026 unterzeichnet. [4] Zu den weiteren Schritten gehört nun die Zustimmung der Landesparlamente. In Niedersachsen beschloss das Kabinett am 18. August, den entsprechenden Gesetzentwurf in den Landtag einzubringen. [6]
Was sich für Wettende ändern könnte
Bei den Themen Einzahlungslimit, Wettsteuer, Wettangebot und Werbung lohnt sich ein genauer Blick auf geltende Regeln und mögliche Änderungen:
Einzahlungslimit
Grundsätzlich gelten monatlich 1.000€ anbieterübergreifend. Wer bei Anbieter A bereits 600€ eingezahlt hat, kann bei diesem Limit im selben Monat noch 400€ beim selben oder einem anderen Anbieter einzahlen. Höhere Limits sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Dafür müssen Spielende ihre finanzielle Leistungsfähigkeit nachweisen und dürfen kein suchtauffälliges Spielverhalten zeigen. [5]
Die Kontrolle übernimmt die LUGAS-Limitdatei. OASIS erfasst dagegen Spielsperren. [7] Das Fachportal ISA-GUIDE nennt flexiblere Limits als mögliches Reformszenario. [8] Die GGL betont dagegen die Schutzfunktion der bestehenden Vorgaben. [5]
Wettsteuer
Die Sportwettensteuer beträgt 5,3 Prozent des Wetteinsatzes. Sie fällt an, wenn der Einsatz für eine Wette geleistet wird, unabhängig davon, ob die Wette gewinnt oder verliert. An das Finanzamt zahlen muss sie der Veranstalter. Mögliche Änderungen müssten im Rennwett- und Lotteriegesetz auf Bundesebene erfolgen. [9]
Als mögliche Reform beschreibt ISA-GUIDE eine Besteuerung des Betrags, der den Anbietern nach Auszahlung der Gewinne bleibt. [8] Ob die Anbieter ihren Kundinnen und Kunden einen Steuerabzug berechnen, behandelt unser Vergleich der Wettanbieter ohne Steuerabzug.
Legales Wettangebot
Der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) fordert ein attraktiveres legales Angebot, um Spielende im regulierten Markt zu halten. [10] Die GGL verlangt dafür aber belastbare Nachweise für einen Änderungsbedarf und betont den Spielerschutz. [1]
Welche Anbieter in Deutschland zugelassen sind, zeigt die GGL-Whitelist. [11] Weitere Informationen bietet unsere Übersicht über deutsche Wettanbieter.
Werbung und Sponsoring
Die GGL hat das Marktforschungsinstitut eye square im Dezember 2023 mit einer Studie zur Wirkung von Glücksspielwerbung und Sponsoring beauftragt. Sie soll klären, wie Werbung zu legalen Angeboten führen kann, ohne gefährdete Menschen zusätzlich zum Spielen anzuregen. [12]
Ein öffentlich zugänglicher Ergebnisbericht war zum 8. September 2026 in den geprüften Veröffentlichungen der GGL und von eye square nicht auffindbar. [13] [14]
Wie groß ist der nicht lizenzierte Markt? Warum die Zahlen auseinandergehen
Wie viel wird bei erlaubten Anbietern gespielt und wie viel bei illegalen Buchmachern? Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von „Kanalisierung“. Die GGL nennt unter Verweis auf eine im März 2026 veröffentlichte Studie rund 77 Prozent für den legalen Online-Markt. [15]
Die von der GGL beauftragte Studie des Blockchain Research Lab stützt sich auf eine Befragung. Rund 23 Prozent der von den Befragten angegebenen Spielverluste entfielen auf illegale Anbieter. Untersucht wurden hier jedoch verschiedene Online-Glücksspiele, nicht nur Sportwetten. Die Forscher weisen zudem darauf hin, dass sich Befragte beispielsweise falsch an ihre Ausgaben erinnern können. [16]
Der Sportwettenverband DSWV sieht das Problem größer. Im Juni 2025 kritisierte er die damalige GGL-Schätzung von etwa einem Viertel illegalem Marktanteil als zu niedrig. Die neue Studie lag zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor. [17]
Ein Grund für die unterschiedlichen Zahlen ist, dass nicht jede Untersuchung dasselbe misst. Manche zählen Webseitenbesuche, andere fragen nach eingesetztem oder verlorenem Geld. [16]
Für legale Sportwetten nennt der DSWV 8,3 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025, nach 8,2 Milliarden 2024. Wie viel zusätzlich illegal gewettet wurde, lässt sich daraus nicht ablesen. [10]
Wie geht es nach dem Evaluierungsbericht weiter?
Der Bericht allein ändert noch keine Regeln. Zunächst müssen die Länder bewerten, wo Anpassungen nötig sind. [1] Für eine Änderung des Staatsvertrags müssten sie sich auf einen gemeinsamen Text einigen und dafür auch noch die Zustimmung der Landesparlamente einholen. [8]
Das braucht Zeit. ISA-GUIDE schätzt, dass ein reformierter Staatsvertrag frühestens 12 bis 24 Monate nach Abschluss der Evaluierung in Kraft treten könnte. Das ist allerdings lediglich eine Einschätzung der Fachpresse und kein politisch beschlossener Zeitplan. Ein verbindlicher Termin für neue Regeln steht damit nicht fest. [8]
Was gilt bis dahin für Wettende?
Bis auf Weiteres ändert sich für Wettende durch die Evaluierung nichts. [1]
Das monatliche Einzahlungslimit von grundsätzlich 1.000€ samt Ausnahmen und die Wettsteuer gelten weiter. [5] [9]
Ob Limits, Wettangebot oder Werberegeln angepasst werden, ist nach heutigem Stand noch völlig offen. [8]
Das Wichtigste in einem Satz: Der Evaluierungsbericht stellt fest, wo Änderungen nötig sein könnten – er ändert selbst keine Regel. Bis auf Weiteres gelten die heutigen Vorgaben.
Für unseren Vergleich der Wettanbieter zählen deshalb ausschließlich die aktuellen Bedingungen und nicht mögliche spätere Lockerungen.
Häufige Fragen zur GlüStV-Evaluierung 2026
Wird das monatliche Einzahlungslimit von 1.000€ geändert?
Durch die Evaluierung selbst ändert sich das Limit nicht. Grundsätzlich dürfen Spielende weiterhin insgesamt 1.000€ pro Monat bei den angeschlossenen Anbietern einzahlen. Höhere Limits sind bereits unter bestimmten Voraussetzungen möglich. [5]
Wird die Wettsteuer abgeschafft oder anders berechnet?
Die Sportwettensteuer gilt weiterhin. Eine andere Berechnung wird als mögliches Reformszenario diskutiert, ist aber noch nicht beschlossen. Dafür müsste das Rennwett- und Lotteriegesetz geändert werden. Der Evaluierungsbericht allein kann die Steuer weder abschaffen noch ihre Berechnung ändern. [8] [9]
Bis wann muss der Evaluierungsbericht vorliegen?
§ 32 des Glücksspielstaatsvertrags sieht vor, dass der zusammenfassende Bericht bis zum 31. Dezember 2026 vorgelegt werden soll. Danach sind weitere Berichte alle fünf Jahre vorgesehen. Der Termin betrifft allerdings nur die Vorlage der Ergebnisse und nicht das Inkrafttreten neuer Regeln. [2]
Wann kommt ein neuer Glücksspielstaatsvertrag?
Ein verbindlicher Termin steht nicht fest. Nach Vorlage des Berichts müssten sich die Länder erst auf einen gemeinsamen Text einigen, den anschließend alle Landesparlamente billigen. Die Fachpresse hält ein Inkrafttreten frühestens 12 bis 24 Monate nach Abschluss der Evaluierung für realistisch – das ist eine Einschätzung und kein beschlossener Zeitplan. [2] [8]
Quellenverzeichnis
[1] GGL: „23. Glücksspiel-Symposium der Universität Hohenheim: GGL-Vorstand bezieht Position zur Evaluierung“, 17. März 2026. Änderungsbedarf, Spielerschutz und weiteres Verfahren.
[2] Glücksspielstaatsvertrag 2021 vom 29. Oktober 2020: § 32 „Evaluierung“, Sätze 1–3. Amtlicher Vertragstext auf BAYERN.RECHT.
[3] GGL: „Gesetzliche Regelungen“, Abschnitt „Glücksspielstaatsvertrag“. Ohne ausgewiesenes Veröffentlichungsdatum.
[4] Hessischer Landtag: Drucksache 21/4544, 29. Mai 2026. S. 1–2: Anlass, Änderungen und IMK-Beschluss; S. 4–5: Unterzeichnung, Zustimmungsverfahren und Inkrafttreten; Anlage: Änderungsvertrag und Erläuterungen.
[5] GGL: „Einzahlungslimit und Einsatzlimit bei Online-Glücksspielen“, aktualisiert am 25. August 2026. Höchsteinsatz, Einzahlungslimit und Voraussetzungen für höhere Limits.
[6] Niedersächsische Staatskanzlei: „Entwurf des Ratifikationsgesetzes zum Zweiten Glücksspieländerungsstaatsvertrag geht an den Landtag“, 18. August 2026.
[7] GGL: „Verpflichtende IT-Systeme für Veranstalter von Glücksspielen“, Abschnitte zu LUGAS und OASIS. Ohne ausgewiesenes Veröffentlichungsdatum.
[8] Ulli Schmitt, ISA-GUIDE: „Politische Folgen und Regulierungsszenarien – Was nach der Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2026 auf Deutschland zukommt“, 30. März 2026. „Szenario 2“, Entscheidungsweg und Zeitplan; Einschätzungen der Fachpresse.
[9] Rennwett- und Lotteriegesetz vom 25. Juni 2021, §§ 17–20: Berechnungsgrundlage, Steuersatz, Steuerschuldner und Steuerentstehung. Bereitstellung durch „Gesetze im Internet“.
[10] DSWV: „DSWV-Jahrespressekonferenz: Legaler Sportwettenmarkt wächst kaum noch“, 11. Juni 2026. Marktzahlen und Forderung nach einem attraktiveren legalen Angebot; Verbandsangaben.
[11] GGL: „Whitelist: Übersicht der erlaubten Glücksspielanbieter“. Laufend aktualisierte behördliche Übersicht.
[12] GGL: „GGL vergibt Studie ‚Glücksspielwerbung im Fernsehen und im Internet im Spannungsfeld von Kanalisierung und Suchtprävention‘“, 12. Dezember 2023. Beauftragung, Laufzeit und Forschungsfragen.
[13] GGL: „Glücksspielforschung: Studien und Statistiken“. Ohne ausgewiesenes Veröffentlichungsdatum. Prüfung des Veröffentlichungsstands der Werbestudie.
[14] eye square: „Werbewirkungsforschung für die GGL zur Suchtprävention“. Projektbeschreibung; Veröffentlichungsdatum nicht eindeutig feststellbar. Prüfung des Veröffentlichungsstands.
[15] GGL: „‚Schwarzmarkt‘-Studie bestätigt: Regulierte Online-Angebote machen den Großteil des Marktes aus“, 16. März 2026. Einordnung der Studienergebnisse durch die Aufsicht.
[16] Fred Steinmetz, Ingo Fiedler, Lennart Ante und Kaja Kopiec, Blockchain Research Lab: „Die Vermessung des Schwarzmarktes für Onlineglücksspiel in Deutschland“, 29. Dezember 2025, aktualisiert am 27. April 2026. Im Auftrag der GGL. S. 3–5: Messmethoden, Bezugsgrößen und Einschränkungen der Aussagekraft.
[17] DSWV: „Zahl illegaler Sportwetten-Webseiten steigt um 36 Prozent – DSWV fordert Maßnahmen gegen wachsenden Schwarzmarkt“, 27. Juni 2025. Kritik an der GGL-Schätzung; Verbandsposition.
Das könnte Dich auch interessieren:
- Alle Wettanbieter mit deutscher Sportwetten Lizenz
- Wettanbieter ohne Steuer im Überblick
- LUGAS: Einzahlungslimit und Kontrollsystem erklärt
- Der große Wettanbieter Vergleich

